Crêpe de Chine, Georgette, Seidensatin: Welche Webart für welches Kleidungsstück?
Colette9 September 2026
Der Faden ist derselbe: lange, gleichmäßige, glänzende Maulbeerseide. Entscheidend ist, wie er auf dem Webstuhl verkreuzt wird. Satin, Crêpe de Chine, Georgette, Twill: vier Webarten, vier Charaktere und am Ende nicht dasselbe Kleidungsstück. Hier erfahren Sie, woran ich sie erkenne und welchen Stoff ich je nach Verwendungszweck auswähle – für ein Kleid, einen Kissenbezug oder einen Schal.
Das Wichtigste in 30 Sekunden. Seidensatin (Charmeuse) reflektiert das Licht und fühlt sich glatt an: Das ist die Webart für Bettwäsche und Negligés. Crêpe de Chine ist matt und körnig und behält seine Form: Daraus werden Kleider gefertigt, die man tagsüber trägt. Georgette ist ein Schleierstoff, der sich beim kleinsten Luftzug bewegt; als doppelte Lage wird er blickdicht, ohne seine Leichtigkeit zu verlieren. Twill hat eine feine Diagonale und einen festeren Griff: Daraus werden Tücher und Schals gefertigt. Momme lässt sich bei allen diesen Stoffen angeben – vergleichen lässt es sich jedoch nur bei gleicher Webart.
Derselbe Faden, vier Stoffe: Was die Webart verändert
Man spricht viel über Momme, Qualitätsstufen und Siegel – und vergisst oft, dass zwei Seiden mit demselben Gewicht sich im Griff völlig unterscheiden können. Das Weben ist die Architektur: die Art und Weise, wie die Kettfäden (auf dem Webstuhl gespannt) die Schussfäden (durch das Schiffchen geführt) kreuzen. Es gibt drei große Bindungsarten – Leinwandbindung, Köperbindung und Satinbindung – und innerhalb jeder Bindung bestimmen die Drehung, Feinheit und Dichte des Fadens den Rest.
Merken Sie sich eine einfache Idee: Je länger der Faden an der Oberfläche flottiert, desto stärker glänzt der Stoff; je stärker der Faden gedreht ist, desto matter und strukturierter wirkt der Stoff. Daraus leitet sich das gesamte Vokabular der Seide ab.
Seidensatin (Charmeuse): das Licht
Bei der Satinbindung führt jeder Kettfaden über vier oder mehr Schussfäden, bevor er wieder abtaucht. Diese langen „Flottungen“ richten die Fasern an der Oberfläche aus, und es ist diese durchgehende Oberfläche, die das Licht reflektiert. Charmeuse ist ein leichter Seidensatin mit glänzender Vorderseite und matter, leicht gekreppter Rückseite.
So fühlt es sich an: ein sofortiges Gleiten, Kühle beim ersten Kontakt und ein fließender Fall, der sich anschmiegt, ohne abzuzeichnen. Genau das erwartet man von einem Seidenkissenbezug – Haut und Haare gleiten, statt zu reiben – und von einem Negligé. Bei einem Tageskleid hingegen zeigt Seidensatin alles: jede Falte, jede Naht, jede Lichtreflexion. Er verlangt einen makellosen Schnitt, typischerweise den Schrägschnitt, bei dem der Stoff diagonal fällt und Knicke verschwinden. Wenn Sie noch zwischen Satin und Seide schwanken, ist der Artikel, der die beiden Begriffe auseinanderhält, eine nützliche Grundlage: Satin ist eine Webart, Seide eine Faser.
Crêpe de Chine: die Formstabilität
Crêpe de Chine ist eine Leinwandbindung – die einfachste Kreuzung, ein Faden darüber, ein Faden darunter –, jedoch mit sehr stark gezwirnten Schussfäden, abwechselnd in S- und Z-Drehung. Diese Drehung erzeugt an der Oberfläche eine feine, fast sandartige Körnung, die das Licht streut, statt es zu reflektieren. Das Ergebnis: ein dezenter Glanz, ein trockener, geschmeidiger Griff und vor allem eine Formstabilität, die Satin nicht besitzt.
Dies ist die vielseitigste Webart in der Garderobe. Sie knittert kaum, hängt im Laufe des Tages nicht aus und lässt sich im Büro ebenso wie zum Abendessen tragen. Auf einem einfarbigen Minikleid aus Crêpe de Chine sorgt sie für eine klare, fast grafische Ausstrahlung, während Satin zu glänzend wäre. Ihre übliche Dichte liegt bei etwa 12 bis 16 Momme: leicht auf der Haut und in mittleren und dunklen Farbtönen blickdicht.
Georgette: die Bewegung
Georgette führt die Logik des Crêpes noch einen Schritt weiter: Sowohl die Kett-als auch die Schussfäden sind gezwirnt, die Webart ist lockerer, die Dichte geringer – häufig 8 bis 12 Momme. Das Ergebnis ist ein leicht körniger, sehr luftiger Schleierstoff, der sich beim kleinsten Lufthauch hebt und Licht durchlässt.
Diese Transparenz ist seine Schönheit und seine Einschränkung. Ein einfacher Georgette-Stoff wird über einem Unterkleid getragen; doppelter Georgette löst die Frage anders – zwei miteinander verbundene Lagen, die undurchsichtig werden und dabei ihre Leichtigkeit bewahren. Das ist der Stoff für lange Sommer- und Festkleider: dort bedeckend, wo es nötig ist, und überall sonst in Bewegung. Für eine Hochzeit Ende September oder eine späte Gartenparty ist dies die Webart, die ich zuerst empfehle.
Der Twill: die Struktur
Twill ist eine Köperbindung: Der Faden verläuft über zwei oder drei Schussfäden und versetzt sich in jeder Reihe, wodurch eine feine Diagonale entsteht, die man im Gegenlicht erkennen kann. Diese Bindung ergibt ein festeres, dichteres Gewebe, das Falten behält und die Farben etwas matter erscheinen lässt als Satin, mit einer besonderen Tiefe bei Drucken.
Dies ist die historische Webart des Seidencarrés – jenes Tuchs, das sich knoten, rollen und als Stirnband tragen lässt, ohne zu knittern – und Sie finden sie in unseren Seidentüchern aus Maulbeerseide. Einige Hersteller verwenden sie auch für Bettwäsche, doch der Gleiteffekt ist geringer: Für einen Kissenbezug bleibt Seidensatin der Maßstab.
Vergleichstabelle
| Webart | Bindung | Optik & Griff | Übliche Momme | Ideale Stücke |
|---|---|---|---|---|
| Seidensatin (Charmeuse) | Satin, lange Flottierungen | Glänzend, glatt, fließender Fall | 16 bis 30 | Kissenbezug, Bettwäsche, Negligé, schräg geschnittenes Kleid |
| Crêpe de Chine | Leinwandbindung, verzwirnte Kett- und Schussfäden | Matt, feine Körnung, formstabil | 12 bis 16 | Tageskleid, Bluse, eleganter Pyjama |
| Georgette / Double Georgette | Lockere Leinwandbindung, verzwirnte Fäden | Luftig-leichter, körniger, transparenter Stoff (blickdicht als Double Georgette) | 8 bis 12 (einfach) | Langes Kleid, Abendkleid, ausgestellte Ärmel |
| Twill | Köperbindung, Diagonale | Fest, leicht matt, behält die Falten | 12 bis 16 | Carré, Tuch, Krawatte |
So wählen Sie: Kleid, Kissenbezug oder Tuch
- Für ein Kleid, das Sie häufig tragen werden: Crêpe de Chine. Er verzeiht einen langen Tag im Sitzen, lässt sich problemlos von Hand waschen und erfordert bei mittleren und dunklen Farbtönen kein Unterkleid.
- Für ein festliches Kleid: Double Georgette, wenn Sie Bewegung wünschen, schräg zugeschnittenen Seidensatin, wenn Sie Glanz möchten. Beide lassen sich ohne Futter tragen – die Seide gleitet direkt über die Haut, ohne statische Aufladung.
- Zum Schlafen: Seidensatin, ohne Diskussion. Entscheidend ist das Gleiten, anschließend wird es in Momme gemessen – 19 zum Einstieg, 22 für Dichte und Langlebigkeit, 25 und mehr für höchste Qualität.
- Für ein Tuch: Twill für das klassische Carré zum Knoten; Satin oder Crêpe für einen langen Schal, der weich fallen soll.
Drei Orientierungspunkte zum Lesen einer Produktbeschreibung
1. Ist die Webart angegeben? „100 % Seide“ sagt nicht alles. Eine seriöse Produktbeschreibung nennt Crêpe de Chine, Satin, Georgette oder Twill: Das ist der erste Hinweis darauf, dass das Material passend zum Kleidungsstück ausgewählt wurde und nicht umgekehrt.
2. Passt die Momme-Zahl zur Webart? 22 Momme sind ein hervorragender Wert für einen Kissenbezug und ein ungewöhnlicher Wert für Georgette. Vergleichen Sie immer dieselbe Webart — darum geht es im Momme-Ratgeber.
3. Wie sieht es mit der Blickdichtigkeit aus? Polyesterfutter, Seidenfutter, doppelte Stofflage oder ein von Natur aus blickdichter Stoff: Bei einem Kleid ist diese Angabe ebenso wichtig wie der Schnitt. Bei StudioSoie bevorzugen wir Double Georgette oder einen ausreichend dichten Crêpe gegenüber einem Synthetikfutter, das die Atmungsaktivität der Seide zunichtemachen würde.
Häufig gestellte Fragen
Ist Crêpe de Chine echte Seide?
Ja, wenn er aus 100 % Maulbeerseide gewebt ist. „Crêpe de Chine“ bezeichnet eine Webart, keine Faser: Es gibt auch Polyester-Crêpes, weshalb es wichtig ist, die Zusammensetzung auf dem Etikett zu prüfen.
Was ist der Unterschied zwischen Charmeuse und Seidensatin?
Charmeuse ist ein leichter Seidensatin, auf der Vorderseite glänzend und auf der Rückseite matt. Im allgemeinen Sprachgebrauch bezeichnen beide Begriffe dieselbe Familie von Satinbindungen.
Ist Seidengeorgette transparent?
Bei einfacher Stofflage ja, leicht. Double Georgette — zwei miteinander verbundene Schleier — ist blickdicht und bleibt dennoch luftig, sodass kein Futter hinzugefügt werden muss.
Welche Seidenwebart knittert am wenigsten?
Crêpe de Chine und Georgette knittern dank der Drehung ihrer Garne weniger als Satin. Twill behält seine Form gut, bekommt aber Knitterfalten, wenn man ihn zusammengeknüllt liegen lässt.
Kann man die Momme-Zahl eines Crêpes mit der eines Satins vergleichen?
Nicht direkt. Momme misst die Garndichte, doch der Fall hängt von der Webart ab: Ein Crêpe mit 14 Momme wirkt blickdichter als ein Satin mit 16 Momme. Vergleichen Sie immer dieselbe Webart.
Die Webarten live ansehen
Die neuen Kleider der Saison vereinen die vier Familien: einfarbiger Crêpe de Chine in sieben Farben, Double Georgette mit schulterfreiem Schnitt und schräg geschnittener Seidensatin. Am besten versteht man eine Webart, indem man sie trägt.
Die Kleider aus Maulbeerseide entdecken →
— Colette, für das StudioSoie-Journal
Die Kennerin des Materials: Momme, Webart, Qualitäten und Pflege von Seide.
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